Inklusions-Lunch in der Heinrich-Lades-Halle

Am 22.09.2015 fand der Inklusions-Lunch mit Moderator Raul Krauthausen in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen statt. Lesen Sie mehr.



Pressemitteilung vom 22.9.2015

Verantwortung inklusive: Beschäftigung behinderter Arbeitskräfte
lohnt sich – wirtschaftlich und sozial

Unter dem Titel ZUSA Inklusion in eine gemeinsame Arbeitswelt ermutigt ein außerge-wöhnliches Konsortium Arbeitgeber in Erlangen und Erlangen-Höchstadt das Potenzial von Menschen mit schwerer Behinderung zu nutzen – Initiative des Jobcenters Erlangen, Fördermittel des Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Erfolgreicher „Inklusionslunch“ zum Auftakt


ERLANGEN – Es war ein deutlicher Aufruf an alle Teilnehmer im nahezu vollbesetzten Kleinen Saal der Heinrich-Lades-Halle: Inklusion ist nicht nur Ausdruck einer sozialen Haltung. Wer Menschen mit Behinderung in seinem Unternehmen anstellt, profitiert auch in betriebswirt-schaftlicher Hinsicht. „Wer darauf verzichtet, lässt Potenziale liegen“, erklärte Karl-Heinz Miede-rer im Diskurs mit dem Moderator Raul Aguayo-Krauthausen. Das Jobcenter Erlangen hatte im vergangenen Jahr das Projekt initiiert und war mit den innovativen Ansätzen im Wettbewerb um die Fördergelder des Bunds erfolgreich.
Bei der Auftaktveranstaltung des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekts „ZusammenArbeit. Inklusion in eine gemeinsame Arbeitswelt“, kurz ZUSA, wurde deut-lich: Noch nehmen zu wenige Arbeitgeber in der Stadt Erlangen und im Landkreis Erlangen-Höchstadt diese Hürde. Trotz der stabilen Arbeitsmarktsituation befinden sich hier derzeit rund 550 Menschen mit Behinderung auf Arbeitssuche. Das gelte es zu ändern, betonte auch Sozi-alaktivist Raul Aguayo-Krauthausen, der souverän und pointiert durch den Inklusionslunch führ-te. Gemeinsam mit Vertretern der städtischen und regionalen Politik- und Bildungslandschaft, mit Unternehmern und Projektpartnern diskutierte er unter anderem die vom Leiter des Jobcen-ters, Axel Lindner, aufgeworfene Frage: „Wie schaffen wir es, Inklusion im Arbeitsalltag zu leben und Brücken für Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu bauen?“

Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen
Oberbürgermeister Dr. Florian Janik und Landrat Alexander Tritthart unterstrichen das Potenzial in der Region und wollen gesellschaftliche Verantwortung übernommen wissen: aufgeschlosse-ne Unternehmen werden von der Beschäftigung behinderter Arbeitskräfte profitieren, so die beiden Kommunalpolitiker. Zugleich verdeutlichten sie, dass der „Weg zur Anstellung eines Schwerbehinderten“ zwar nicht leicht sei, jeder aber Verantwortung für eine inklusive Gesell-schaft übernehmen kann und muss.
Beim Podiumsgespräch erklärte unter anderem Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Preuß, die das Projekt nicht nur von Anfang an unterstützte, dass sie sich als Vertreterin eines öffentlichen Ar-beitgebers auch in einer Vorbildfunktion für Inklusion sieht. Peter Scholten, stellvertretender Kreishandwerksmeister Erlangen-Hersbruck-Lauf, berichtete vom Fachkräftemangel seiner Branche, der viele Akteure zum Umdenken bewegen müsse. „Arbeitskräfte mit Behinderung entlasten“, ist Scholten vor allem vom ergänzenden und unterstützenden Einsatz im Handwerk überzeugt. Für die Unternehmenskultur, aber auch für wirtschaftliche Nachhaltigkeit sei das Bemühen um engagierte und motivierte Mitarbeiter ein entscheidender Faktor.
Natürlich könne Inklusion nicht von heute auf morgen stattfinden, gab Prof. Markus Beckmann, Lehrstuhlinhaber für Corporate Sustainability Management an der FAU Erlangen-Nürnberg zu bedenken: „Es dauert, bis sich ein neues soziales Bewusstsein nachhaltig in der Gesellschaft verankert. Umso wichtiger ist in diesem Zusammenhang eine unternehmerische Gesellschafts-verantwortung.“ Um diese Bereitschaft sichtbar zu machen, wird ZUSA ein „Inklusionszertifikat“ entwickeln, dessen Kriterien der Wirtschaft als „Orientierungshilfe“zur Verfügung gestellt werden. Im Sinne der Inklusion besonders engagierte Unternehmen sollen so ausgezeichnet und sichtbar gemacht werden.

Die Herausforderung zusammen stemmen
Alleine gelassen werden Arbeitgeber nicht mit der Herausforderung Inklusion. ZUSA bieten allen Teilnehmern umfassende unterstützende und beratende Hilfestellungen, die über längere Zeiträume hinweg aufrecht gehalten werden. „Inklusion braucht begleitende Strukturen“, so Karl-Heinz Miederer, Geschäftsführer der ACCESS Integrationsbegleitung, die auch als ZUSA-Projektpartner in Erscheinung tritt.
Das Projekt ZUSA hilft dabei, arbeitssuchende Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen und setzt auf eine mehrstufige Qualifizierung potenzieller Arbeitnehmer. Diese können sich nach einem beruflichen Profiling und der Identifikation wichtiger Schlüsselqualifikationen zunächst in Werkstätten und Sozialbetrieben orientieren, bevor sie sich wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt erproben. Das bis März 2018 laufende Förderprojekt strebt langfristige Beschäfti-gungsverhältnisse an und tritt dazu an Arbeitgeber der Region heran, die in allen relevanten Angelegenheiten von ZUSA unterstützt und beraten werden.

Das Projekt „ZusammenArbeit. Inklusion in eine gemeinsame Arbeitswelt“ (ZUSA) ist eine Initiative des Jobcenters der Stadt Erlangen, GGFA AöR und wird mitgetragen durch ACCESS Integrationsbegleitung gGmbH, die Agentur für Arbeit Fürth, Geschäftsstelle Erlangen, das Jobcenter Erlangen-Höchstadt, die Lebenshilfe Erlangen-Höchstadt e.V. mit INTEG gGmbH, die Regnitz-Werkstätten gGmbH, die Laufer Mühle, WAB-Kosbach gGmbH und den wabe e. V. Erlangen mit wabe Erlangen gGmbH sowie die Kommunikationsagentur Birke und Partner. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und läuft insgesamt über drei Jahre.